Zugfahrt mit rücksichtsloser Dame

Rückfahrt im ICE: Sehr viele Leute steigen ein, die zweite Klasse ist weiter hinten als erwartet. Vor mir staut es sich. Hinter mir eine Verschleierte, die im Eingang geraucht hatte und nach Rauch stank, dicht an mir vorwärts drängte, um in ein Abteil zu gelangen. Doch ich kann nicht weiter gehen, denn dicht vor mir steht ein Herr, vor diesem weitere. Geduld hat die Frau nicht. Sie erwartet, daß ich irgendwie weitergehe. Dabei müßte zu sehen sein, daß es nicht geht. Der eingeatmete Rauch nervt. „Oh Gott” sage ich, weil sie sich vergeblich an mir vorbeidrängen will und ich ihren Rauch einatmen muß, worauf mich der Herr vor mir finster anstarrt, als wäre ich ein Bösewicht. Frauen erhalten immer recht in dieser Gesellschaft, ganz gleich, was sie tun. Darin erhielt ich sofort die nächste Lehrstunde.

Aus dem Abteil vor mir drängt eine Dame, will unbedingt vorbei. Darf ich mich vorstellen? Einen Rucksack mit Rechner und Photoausrüstung trage ich vor dem Bauch, einen größeren Rucksack mit Zelt quer (anders ist es nicht befestigbar) hinten. Wie ich mich auch drehe, kann in dem schmalen Gang vor den Abteilen niemand vorbei. Es ist unmöglich. Hinter mir stehen auch Leute. Rangiermanöver sind unmöglich. In diesem Gedränge ließen sich die Rucksäcke auch kaum absetzen. Wohin denn? Ich bin eingezwängt. Außerdem liegen die Gurte des schweren hinten über dem leichteren vorne, so daß ich auch den nicht abstreifen kann, bevor der große herunter ist. Nebenbei habe ich Rückenschmerzen, weil ich mich beim Aufnehmen der Rucksäcke vorhin verhoben habe. Jünger als ich war die Dame auch noch.

„Lassen Sie mich vorbei?”

-„Das geht nicht. Es ist zu eng.”

-„Ich möchte hier durchgehen.”

-„Das ist unmöglich. Treten Sie ins Abteil zurück, dann kann ich an der Tür vorbeigehen.”

-„Wieso? Machen Sie mir Platz..”

-„Kennen Sie keinerlei Rücksichtnahme? Gehen Sie doch einfach ins Abteil zurück, damit ich an der Tür vorbeikomme.”

-„Wieso ins Abteil zurück? Da komme ich gerade her! Machen Sie mir doch Platz.”

-„Sie scheinen nicht nur unverschämt rücksichtslos zu sein, sondern obendrein auch noch dumm”, erwiderte ich ruhig, „Merken Sie gar nicht, daß Sie unmögliches verlangen?”. Entsetzt schaute nicht nur sie mich an, sondern auch ein Mädchen im Abteil. Ganz egal, wie unverschämt und dumm anmaßend sich Frauen erhalten, alle geben ihnen recht: der Herr vor mir mit seinem finsteren Blick, das Mädchen mit ihrem entsetzten Blick. Von einem schwer bepackten Mann denken alle etwas schlechtes; er ist in der Rolle des Verlierers, der nicht nach der Pfeife der Frauen tanzen kann, Niemand scheint auch nur genug Restverstand zu besitzen, um zu merken, wenn Frauen unmögliches verlangen. Wer nicht komplett intelligenzbefreit ist, muß doch merken, daß ein kugelrund bepackter Mensch sich unmöglich dünner machen kann. Wer das nicht merkt, noch das Opfer solcher Grillen schief ansieht, hat eine Empathiestörung.

Wer hat solche Frauen (inzwischen auch Männer) erzogen und auf die Menschheit losgelassen? Da ist ein kardinaler Erziehungsfehler passiert; sie glauben offenbar das Recht zu haben, bis knapp vor dem Umfallen bepackte, überladene Männer nach Lust und Laune herumzuschubsen. Nie im Leben käme solchen durchgeknallten Frauen die Erleuchtung, daß sie selbst genauso Rücksicht nehmen müssen wie alle anderen. Sie sind so total und absolut unfähig zur Empathie mit fremden Männern, daß sie gar nicht wahrnehmen, wenn jemand eingekeilt ist und nicht nach ihrer Pfeife tanzen kann. Sie sind unfähig, sich selbst zu bewegen, etwa zurück ins Abteil, oder ihre eigene Handlungsweise in Frage zu stellen oder zu tolerieren, daß sie in Fragen gestellt wird. Ihr Hochmut hat ein Ausmaß angenommen, daß sie zu totalen Unterdrückerinnen geworden sind, die an ein absolutes Vorrecht als Frau glauben, daß jeder – auch der vollgepackte, überladene Lastenträger – vor ihnen ausweichen müßte wie vor einem eingebildeten Machthaber kurz vor einer Revolution, in der ihr Hochmut wohl enden wird, da sie von ihrem Hochmut und ihrer Einbildung nicht rechtzeitig herunterkommen.

Übrigens setzte sie ihre Frechheit weiter fort; obwohl ich ruhig blieb, auch den Ton nicht hob, unterstellte sie mir in üblicher Verdrehung der Tatsachen Brutalität:

„Es geht nicht, bevor der Mann mich noch haut.”

Solche Unterstellung nicht vorhandener Aggressivität ist ein typisches männerfeindliches Vorurteil. Männer werden fälschlich als Täter wahrgenommen, und wenn sie noch so schikaniert werden wie von dieser Frau, die einen vorne und hinten überladenen Lastenträger plattquetschen will, nun um selbst durchzukommen, weil sie Egomanin sich in den Kopf gesetzt hat, auf keinen Fall zurück ins Abteil zu treten, vor dem sie stand.

In ihrem Verhalten drückt sich das Grundübel unsrer Zeit aus, das völlige Empathieversagen gegenüber einheimischen männlichen Verlierern, ebenso in der Reaktion des Mädchens und des Mannes, stellvertretend für die Gesellschaft. Ganze Generationen von Empathiekrüppeln haben die feministischen Wellen hervorgebracht; es wird zu untersuchen sein, ob das nicht schon für den Anfang des 20. Jahrhunderts galt, als Millionen junger Männer auf Schlachtfeldern verreckten, während sicher und bequem lebende Feministinnen sich als Macht etablierten.

Vor dem Aussteigen habe ich die Verhältnisse im Gang nochmals geprüft. Wie ich mich auch drehte, paßte kein Erwachsener vorbei, auch nicht schmächtigere Personen als die Dame. Unmöglich. Nur ein Kind hätte unter dem Rucksack durchkrabbeln können. Feminismus übertreibt alte Ungerechtigkeit bis in den Zusammenbruch.

Übrigens kauft und lest diese Bücher – sie sind es wert!

Advertisements