Warum alte Argumente, die Frauen und Geschlechter betreffen, uns heute unverständlich sind

Wer in stark tabuisierten Bereichen herumstochert und obendrein ungewöhnliche Argumente liefert, stößt auf Unverständnis und wird in allen politischen Szenen schnell abgesägt und rausgeworfen, weil das die eingefahrenen Sichten und Agitationsmuster stört. Ob öffentliche Massenmedien oder alternative, die Reaktion auf meine Bücher und Artikel ist ähnlich: Gleichgesinnte und Mitmacher sind willkommen, aber was jenseits des Konsens steht, fliegt schnell raus.

Außerdem ist die Offenheit bei selbst nicht Etablierten größer; sie heißen meine Artikel willkommen, sind angetan und behandeln mich anfangs mit fast schmeichelhafter Zuvorkommenheit – bis zu dem Punkt, an dem ihr Magazin sich etabliert im Internet. Dann werden meine zuvor begrüßten und faszinierend gefundenen Argumente schlagartig störend, scheinen ihrem eigenen Erfolg im Wege zu stehen, und ich fliege raus. Von sogenannten ‚Männerrechtlern’ (die ohne es zu merken selbst tief in feministischer Epoche verwurzelt sind) bis ‚alternativen Konservativen’ ist die Reaktion ziemlich ähnlich.

Fast alle Journalisten, Blogger und Teilnehmer der Debatten halten ihre Sichten und Argumente selbst für klug und zeitlos; doch irren sie sich leicht, wenn es um Dinge geht, die mit den Geschlechtern, besonders mit Frauen, zu tun haben. Denn solche Sachverhalte unterliegen unbewußten Kräften, von deren Existenz und Wirken die meisten keine Ahnung haben. Heute stimmen viele Zeitgenossen ihnen zu, weil sie der gleichen Generation angehören, daher ähnlich sozialisiert und geprägt sind, ähnliche Grundeinstellung zum Leben, anderen Geschlecht und ähnliche Lebenseinstellung haben.

Doch sobald eine neue Generation heranwächst, die – und sei es durch massive Gehirnwäsche wie ‚Genderung’ und Feminismus – anders geprägt wurde, kann ihre vermeintliche Superklugheit plötzlich falsch und als große Peinlichkeit wirken. Genau das ist bei allen feministischen Wellen regelmäßig wie ein Uhrwerk eingetreten.

Die vermeintlich Klugen von heute könnten in einer anderen Gesellschaft ‚dumm’ dastehen. Doch das, was sie heute als ‚abwegig’ abtun, kann dann wie ein Geistesblitz wirken. Um nicht bei Allgemeinplätzen stehenzubleiben, wollen wir konkrete und reale Verschiebungen betrachten.

In allen Zeiten und Kulturen (außer der feministischen Kulturrevolution) haben sich Männer und Frauen ergänzt. Das ist eine menschliche Universalie, der eine genauso angeborene Fähigkeit entspricht, im frühen Säuglingsalter die Strukturen der erwachsenen Umwelt aufzunehmen, ähnlich wie die Sprache. Geschlechtliche Ergänzung scheint sogar noch elementarer zu sein, denn sie beginnt sich bereits bei Neugeborenen zu zeigen, lange bevor sie beginnen, Laute zu formen und sich sprachlich zu prägen. Bei Sprache wie Ergänzung geht es um den Aufbau abstrakter Strukturen, die Grundlage der Verständigung sind.

Diese soziale, geschlechtliche Ergänzung, die wir als ‚Sprache’ auf einer anderen Ebene ansehen können, wurde von allen feministischen Wellen bekämpft und angeschlagen, von der zweiten um 1968 jedoch vollständig zerbrochen. Das ist der Schlüssel zum Verständnis aller Ereignisse jener Zeit und Epoche und seitdem. Alles andere ist letztlich meist Folge dieses Zerbrechens der natürlichen Geschlechterbezüge, das schwere Verwerfungen auf allen Ebenen nach sich zog.

Damals waren Zeitgenossen entsetzt von den ‚Flintenweibern’, einem heute fast vergessenen, kaum noch verständlichen Begriff. Denn sie waren noch die volle heterosexuelle Liebe und Vertrautheit der Geschlechter gewöhnt, die plötzlich selten wurde oder ganz verstand. Es besteht ein riesiger Unterschied zwischen Mädchen und Frauen, die davon träumten, Frau zu sein, Männer zu lieben, und den feministisch geprägten Frauen, die wir seitdem gewöhnt sind.

Damals zerbrach die Anteilnahme und das Mitfühlen mit Männern – oder was davon noch übrig war. Stattdessen wurde eine Neidhaltung typisch, aus der heraus Männern geneidet wurde, was sie waren und darstellten, statt sie dafür zu lieben. Männlichkeit wird seit der 2. Welle und etwa 1968 bekämpft, verhöhnt, angefeindet und beschimpft, so wie sie vorher romantisch angehimmelt wurde. Die Radikalität jenes Bruches wurde damals von traditionellen Zeitgenossen erlebt und erlitten, ist uns jedoch kaum noch nachvollziehbar. Es begann mit einem großem Knall, Wutkreischen. Wir können uns das kaum noch vorstellen, besonders deshalb, weil wir den natürlichen Zustand nicht mehr kennen und leben.

Etwas weniger kraß ist es nur in jenen Gebieten, die damals ‚hinter dem eisernen Vorhang’ waren, weil dort jene Kulturrevolution kaum Fuß fassen konnte, da bis zum Zusammenbruch des Ostblocks die Verhältnisse ziemlich konstant ‚eingefroren’ blieben. Dort wirkte also die neue Zerstörungswelle erst ab etwa 1990 und konnte sich daher noch nicht ganz so tief verankern. Deshalb sind Rußland und die Visegrád-Gruppe anders.

Kultur ist im Kern ein Tausch und Bezug beider Geschlechter aufeinander, was beides durch eine Arbeitsteilung entsteht, die sich von Kultur zu Kultur unterscheiden mag, auch von Epoche zu Epoche, die aber unverzichtbar ist und wichtige Funktionen hat. Sogar unsere Fähigkeit mitzufühlen, Achtung und Liebe hängen davon ab. Darum waren viele anfangs entsetzt von der Verwilderung, die mit dem feministischen ‚Knall’ auf sie zukam. Es war keine ‚Befreiung der Frau’, wie es in feministischen Phrasen genannt wurde, sondern ein Untergang von Liebe, Mitfühlen, Tausch, Ergänzung und Bezug aufeinander. Letztlich sagen Feministinnen nichts anderes, drücken es nur anders aus, wenn sie schrieben, daß „Frauen aufhörten, sich in Bezug auf Männer zu definieren, sondern sich in Bezug auf Frauen definierten”. Das bedeutete logischerweise, Männer funktional überflüssig zu machen. Außerdem ist es absurd, eine Seite eines Gegensatzpaars im Bezug auf sich selbst zu definieren. Logischerweise folgt aus der Tatsache, daß es Männer und Frauen gibt, die Notwendigkeit, beide zu betrachten, um sie unterscheiden und definieren zu können.

Aufgrund dieser Verschiebungen sind uns Argumente gegen Feminismus aus früheren Zeiten oft peinlich, weil nämlich der damals sinnvolle Konsens, auf dem sie beruhten, zerbrochen ist, und weil es sogar die Persönlichkeiten, die sie äußerten und verstanden, so nicht mehr geben kann, nachdem die Geschlechterverhältnisse, in denen sie lebten, zerbrochen wurden. Viele Schlaumeier von heute könnten ähnliches erleben: Was sie jetzt für ‚klug’ halten, womit sie sich gegenseitig bestätigen, was sie locker daherreden, ohne es viel zu begründen, könnte in einer anderen Epoche sehr schal und dürftig wirken. Sie haben nicht sauber gearbeitet. Dazu sind meine Bücher da. Doch sie verachten meine Bücher, die nicht so eingängig sind wie verbreitete Vorurteile.

«Nach dem brutalen Überfall auf Ponto befand sich die Bundesrepublik im Zustand der Schockstarre. Das liegt an der ungeheuren Skrupellosigkeit, mit der gerade junge Frauen zuschlugen. Die „Frankfurter Rundschau” empfand „würgende Beklemmung”; der „Spiegel” fühlte sich an „Flintenweiber” erinnert; die „Welt” fragte sich, ob bald jeder Bürger gewahr sein müsse, daß ihm „der Tod in Gestalt eines jungen Mädchens gegenübertritt?”.»1 (Sven Felix Kellerhoff, Warum dominierten Frauen die Rote Armee Fraktion?, Welt)

Heute mag das seltsam wirken, weil wir selbst und unsere Zeitgenossen feministisch (um)erzogen und geprägt wurden.

«In der ersten Welle des Linksterrorismus in der Bundesrepublik Anfang der 70er-Jahre hatten noch abseitige ‚Erklärungen’ für den hohen Anteil von Frauen vorgeherrscht. Einige Frauen seien aus sexueller ‚Hörigkeit’ als ‚Gangsterbräute’ in die Terrorgruppe geraten, andere wegen ihrer lesbischen Orientierung. Der eigentlichen Anführerin der RAF, Gudrun Ensslin, wurde attestiert, sie habe „noch männlicher” sein wollen als die Männer.» (a.a.O., Welt)

Was heute als ‚abwegig’ bezeichnet wird, war es damals keineswegs. Sehen wir uns den Unterschied beider Epochen an. Feminismus hat alle Geschlechterunterschiede bekämpft und aufgehoben. Damit zerbrach notwendigerweise die Ergänzung der Geschlechter, was auch beabsichtigt war. Diese ist aber eine menschliche Universalie. Gefühle und Identität entwickelten sich natürlich aus der Ergänzung. Daher war es für Mädchen und Frauen sinnlos, sich in Gefahr zu begeben. So gut wie keine normale heterosexuelle Frau wäre auf solch einen für sie schädlichen Gedanken verfallen, bei dem es viel zu verlieren, aber für sie nichts zu gewinnen gab.

Daher gab es – nicht nur in den 1970ern, sondern in so ziemlich jeder Epoche einer funktionierenden Kultur, d.h. in allen außer feministischen Zuständen – für Frauen zwei Gründe, die sie auf eine solche, damals geschlechtlich verirrte, Bahn bringen konnten. Das eine war wie beschrieben das Modell ‚Verbrecherbraut’. Es gab in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts einige berüchtigte Verbrecherpaare diesen Typs. In einem Falle war der Mann ein Revolverheld; sie lud ihm hilfreich die Magazine. (Bonnie und Clyde hießen sie glaube ich) Ansonsten gab es noch die Variante, bei der eine Frau lesbisch war (damals seltener als heute). Denn für eine lesbische Frau war die Ergänzung zwischen Mann und Frau eine unverständliche Sache, da sie nicht mit ihrer sexuellen Veranlagung in Einklang zu bringen war. Deshalb waren es auch in fast allen Zeiten, bereits vor Jahrhunderten, vor allem lesbisch veranlagte oder mindestens bisexuelle Frauen, die auf verrückt-feministische Ideen kamen, wie die menschliche Natur und Kultur als eine angebliche ‚Unterdrückung der Frau’ mißzudeuten. (Anschließend verführten sie dann ihre heterosexuellen ‚Schwestern’ mit ihren Irrtümern.)

Dabei kamen ihnen noch angeborene Frauenbevorzugung und ein ebenso angeborener Hilfsreflex gegenüber Frauen zugute. Die Evolution hat es so eingerichtet, daß wir in Kindern, Müttern und allgemein Frauen hilfsbedürftige Wesen sehen, damit wir unsere Kraft nicht gegen sie einsetzen, sondern für sie, ihnen helfen, und selbst im Zorn weder Kindern, noch Müttern oder Frauen etwas antun. Das ist schön und gut, solange ein Gleichgewicht besteht und niemand die Stärke der Männer schädigt. Doch wenn daraus ein geistiger Kurzschluß, ein Irrtum und Fehlschluß entsteht, nämlich Frauen für benachteiligt gehalten werden, dann bricht das natürliche Gleichgewicht, ebenso die Kultur des Menschen, zusammen. Genau das aber ist der Kern des Feminismus.

Zusammenfassend sehen wir, daß die Beschreibung der Gründe weiblichen Terrorismus in den 1970er Jahren gar nicht ‚abwegig’ war, sondern unter natürlichen Umständen logisch und treffend. Die Aussagen von damals entsprachen dem damaligen Stande der Wissenschaft und sind im Grunde auch heute richtig – für den Normalzustand des Menschen aller Kulturen und Zeiten, außer Zerstörungszuständen wie feministischen Epochen, in denen die menschlichen Grundlagen kaputtgemacht wurden.

Für uns heute stellt es sich sehr anders dar. Infolge feministischer Erziehung, besser Umerziehung, und weil es keinerlei geschlechtliche Struktur mehr gibt und geben darf, verhalten sich viele Frauen anders. Für unsere Epoche gilt das Erklärungsmuster nicht mehr und mag ‚abwegig’ erscheinen. Doch tatsächlich ist unsere gesamte entwurzelte Epoche ‚abwegig’.

Nachdem die natürlichen Bezüge der Geschlechter entfielen, auch die daraus entstandenen Gefühle und Identitäten untergingen, stand einer Verwilderung und Verrohung nichts mehr im Wege. Man kann den heftigen Ausbruch nachempfinden: 1968 brach etwas mit großer Wut aus. Wutkreischende Feministinnen gehörten ebenso dazu wie „Ho Chi Minh” skandierende Studenten. Plötzlicher Umschlag der Gefühle ist anschaulich erfahrbar: 1964 grellte ein neues Phänomen kreischender Mädchen auf, die bei Rockkonzerten, besonders der Beatles und Rolling Stones, manchmal bis zur Ohnmacht ihren Idolen zukreischten. Das war heftig, animalisch und wirkte aggressiv, war aber noch ein Ausdruck des Begehrens für einen angehimmelten (‚hochrangigen’) Mann. Etwas fehlte bereits in der Gesellschaft, die keine starken Männer bereitstellte, keine ausreichenden männlichen und weiblichen Identitäten, und zwischen ihnen keine ausreichenden Bezüge, die sie aufeinander beziehen. Daher suchten sie sich Idole, Ersatzhelden. Was normalerweise in einer Kultur ausgeglichen, verfeinert, sublimiert geschieht, brach sich animalisch und wild Bahn: das ist immer gefährlich. Denn den rohen, animalischen Instinkten fehlt der kulturelle Ausgleich, der in Hunderten von Generationen allmählich gewachsen ist. Wer solchen rohen, animalischen Instinkten folgt, wird sich meist rasch hoffnungslos verirren, in Krieg oder Revolution enden, zerstörerische Kräfte entfesseln.

Nach wenigen Jahren solchen Männer begehrenden Kreischens kippte dieses ziemlich plötzlich in ein revolutionäres Wutkreischen von Feministinnen, die vor Haß und Wut auf Männer, Männlichkeit, die Gesellschaft und Welt förmlich zerbarsten. Aus dieser Wut heraus entstanden radikalfeministische Thesen; sie war sichtlich eine treibende Kraft.

Emotional waren solche Ausbrüche enorm heftig; sie zerrissen die Grundlage menschlichen Seins, nämlich die Ergänzung der Geschlechter, die noch älter und fundamentaler sein dürfte als Familie und Paarbildung. Das war keine ‚Frauenbefreiung’, wie die wütend Kreischenden vermeinten, die bald alle Institutionen besetzten, seitdem Medien und Erziehung prägen und damit auch unser Denken, vermutlich auch das der Leser dieses Textes, sondern es war eine Zerstörung wesentlicher Grundlagen menschlichen Seins, ohne die es keine gesunden Gefühle, keine Anteilnahme für Männer, keinen Tausch und daher allenfalls beschädigte Bezüge gibt.

Subjektiv bedeutete das für jene Aktivisten, die wutkreischend alles zerbrachen, weil sie ihr Zerstörungswerk für ‚Befreiung’ hielten, daß sie sehr wütend waren, die Welt umstürzen wollten, ihnen jedes Mittel recht war, sie viel Haß empfanden. Daher konnten sie von Extremismus und Terrorismus angezogen werden. Gerade Frauen waren dabei eine treibende Kraft, denn sie waren ja gerade dabei, alle unbewußten, natürlich gewachsenen Strukturen wütend in sich und der ganzen Gesellschaft zu zerbrechen. Etwas natürliches, für Menschen wichtiges, zu zerbrechen, erfordert große Wut und Entschlossenheit, denn sie müssen ihre eigene Natur überwinden und alles, was ein Gleichgewicht verschiedener Geschlechter über Jahrtausende ermöglicht hatte. Nur skrupellose Wut befähigt zu solch einer schädlichen Zerstörung. Wer ohnehin so wütend und skrupellos ist, für den ist es zum Terror nicht mehr weit. Gerade weil nur äußerst radikale Frauen menschliche Kultur zerbrechen konnten, waren jene, die es taten, nicht weit vom Terrorismus entfernt und waren daher ungewöhnlich stark repräsentiert in der RAF, als Frauen meist noch weibliche Lebensentwürfe vorzogen.

«Schon die erste Generation der RAF wurde eindeutig von Frauen dominiert, vor allem von Gudrun Ensslin … Auch die fast zeitgleich in West-Berlin entstandene Terrorgruppe „Bewegung 2. Juni” dominierten weibliche Mitglieder, vor allem Inge Viett, Gabriele Rollnik und Juliane Plambeck. Nach einem Zwischenspiel 1975/76 mit dem untergetauchten Baader-Verteidiger Siegfried Haag an der Spitze übernahm im Februar 1977 mit Brigitte Mohnhaupt wieder eine Frau die Leitung der Terrorgruppe. Sie war von Gudrun Ensslin persönlich als Anführerin designiert worden. Bis zu ihrer Festnahme 1982 war sie unbestritten die Befehlshaberin des deutschen Linksterrorismus.» (a.a.O., Welt)

Feministinnen gaben sich entsetzt, versuchten die Dinge umzudeuten, weil sie ihren Feminismus nicht mit Terrorismus verbunden sehen wollten. Doch auch darin täuschen sie sich. Bereits die erste Welle ihrer Ideologie entstand aus radikaler Militanz, geprägt von Gewalt und Terror, wie in „Zensiert. Flaschenpost in die Zukunft: Erster Band zur ersten Welle” nachgewiesen.

Fußnote

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