Weibliche Macht in altgriechischer Darstellung

Wer alte Bücher liest, bekommt heute ‚rote Ohren’ und erleidet betroffen geistige Kurzschlüsse, weil uns beigebracht wurde, in alter Zeit habe es ‚böse Vorurteile’ gegeben, was Leute dachten und wie sie lebten, sei ‚unsinnig’, voller ‚Irrtümer’, wobei die Erfahrung ungezählter Generationen einfach ignoriert wird.

Komisch ist allerdings, daß die angeblichen Vorurteile sich später oft wissenschaftlich als Tatsache erweisen: meist nicht genau so, wie sie Dichter und Mythen einst beschrieben, aber dennoch klar genug, um sie auf eine – freilich ungeahnte Weise – zu bestätigen.

Wenn in der Folge von der „Macht des Weibes” gesprochen wird (‚Weib’ ist das ebenbürtige Gegenstück zu ‚Mann’, wogegen Frau von einem mittelhochdeutschen Adelstitel Frouwe abgeleitet ist, dessen männliches Pedant Frô ausstarb, weil Frauen auch sprachlich gegenüber Männern bevorzugt werden. Manche sagen, Frau sei mit Freya, einem Götternamen verwandt und habe daher gar göttliche Konnotation), so ist das kein ‚mythologisches’ oder poetisches ‚Vorurteil’. Moderne Evolutionsbiologie erklärt weibliche Selektionsmacht, die Entwicklung der Arten steuert, nicht aber die Stärke der Männer, die nur unter Männern gilt, aber keine Dominanz über Frauen bedeutet. Unsere Intuition trügt. Frauen werden bevorzugt wahrgenommen und behandelt; männliche Verlierer sehr nachteilig. Daher braucht es männliche Stärken als Gegengewicht, auch um den weiblichen Ansprüchen zu genügen.

Heute sind unsere Denkweisen und Begriffe von frühester Kindheit an durch feministische Klischees und Begriffe verseucht. Der Radikalfeminismus von vor kurzem ist gar zum neuen ‚Konservativismus’ geworden. Um das folgende zu verstehen, den alten Text nicht fehlzudeuten, indem heutige feministische Ideologie hineingelegt wird, müssen wir unser Denken von solcher Ideologie befreien, zu natürlichen, nichtfeministischen Begriffen zurückkehren.

Richtig geahnt wurde damals, daß im zentralen Lebensbereich Familie, Liebe, Sex und Fortpflanzung das weibliche Element klar dominiert, noch den stärksten Mann kleinkriegen und zur Witzfigur machen kann. Sogar eine gewisse Tendenz, Männlichkeit unterdrücken zu wollen, den Mann zum spindeldrehenden Softie zu ‚gendern’, scheinen Mythos und Dichter geahnt zu haben. Das ist eine gute Leistung.

Natürlich finden sich Abweichungen vom heutigen Stande des Wissens. Die ganze komplexe Perversität heutigen Feminismus haben auch die antiken Dichter nicht vorhergesehen, obwohl einige Elemente bereits durch ihre Dramen und Tragödien spuken. Nach 2500 Jahren können wir immer klüger sein wollen, weil wir mehr modernes Wissen haben, doch für Schriften aus so alter Zeit kommt die Kunde der Alten heutigen feministischen Wirrnissen beeindruckend nahe.

Zitiert aus einer vermutlich auf die Kaiserzeit zurückgehenden Einleitung zur Übersetzung von Sophokles Tragödie „Die Trachinierinnen”. Es tut gut, alte Bücher zu haben.

«der ſtärkſte und gewaltigſte Held, vom dem die reiche Dichterphantaſie der Hellenen träumte, der ſchon als Knabe durch die Erdroſſelung des von Heras giftigem Haß geſandten Schlangenpaares ſich als Sohn des gewaltigen Zeus offenbarte und dann in einem langen und mühſeligen Leben die Welt mit dem Ruhme ſeiner Taten erfüllte. Und was iſt ſein Ende? Um eines Weibes willen findet er ſchmählichen Tod. Gerade in dieſer gewaltigſten aller Heldenſagen hat der ſinnige Mythe der Griechen den Gedanken zum Ausdruck gebracht, wie Liebe oft mit Leid lohnt. Schon einmal im Leben mußte Herakles das verderbliche Walten weiblicher Macht bitter empfinden. Der Götterſohn, geknechtet im ſchimpflichen Dienſt der Omphale! Dahin iſt der Stolz ſeiner männlichen Seele; in Weiberkleidern ſitzt er da, er, der den grimmen Leuen auf Nemeas Flur mit dem gewaltigen Druck ſeiner Arme rippenbrechend erwürgte; die Spindel dreht er wie ein Sklavenweib, und buhleriſch erklingt ſeine Laute, die einſt von Jolaos’ Heldenfreundſchaft ſang, in weichlicher Lydiertonart. Noch einmal ſchüttelt er das Joch erbärmlicher Knechtſchaft von ſich ab, und doch ſinkt auch er, der herrlichſte aller Helden, um eines Weibes willen in den Staub. Weibliche Eiferſucht ſiegt über eines Herakles löwenherzigen Sinn. Das iſt die zweite, nicht minder große Tragik in dieſem erhabenen Stücke, die den Griechen umſo verſtändlicher war … Sie wußten, daß Helenas Leichtſinn des Trojaniſchen Krieges Jammer zur Folge hatte, daß um ihretwillen Achilles und Patroklos, die herrlichſten Jünglinge, von denen je ein Dichter ſang, frühzeitigem Todesverhängnis erlagen, und daß Mord und Entſetzen und unabſehbarer Jammer die furchtbare Vergeltung der vom Weibe verblendeten Torheit des Paris waren. Sie kannten die Greuel, die ſich an den Namen einer Griphyle, Stheneboia, Aërope, Prokne knüpften. (Griphyle hatte, durch ein goldenes Halsband beſtochen, ihren Gatten Amphiaraos zur Teilnahme am Zug der Sieben gegen Theben beſtimmt, obgleich ſie wußte, daß er dabei fallen würde. Stheneboia, Gemahlin des Argiverkönigs Proitos, verleumdete den edlen Jüngling Bellerophontos, der ihre Liebe verſchmäht hatte, und bewirkte ſeine Verbannung. Aërope, Gattin des Atreus, brach die Ehe mit Thyeſtes, dem Bruder ihres Mannes. Prokne tötete ihren eigenen Sohn Itys.) …

So war den Athenern das Drama des Sophokles vom Tode des Herakles eine furchtbar eindringliche Lehre von der zwar ſüßen, aber verderblichen Allgewalt des Weibes.» (Sophokles’ Tragödien, Überſetzt von J. J.Chr. Donner, herausgegeben von Dr. Paul Brandt)

Meine Damen und Herren, seien wir erwachsen. Was Sie da lasen, waren nicht – wie in feministischer Denke unterstellt – ‚frauenfeindliche’ oder ‚altertümliche’ Unterstellungen, sondern beschreibt, was wir alle heute im feministischen Zeitalter erleben. Herakles liefe heute mit einem rosa Mösenmützchen auf dem Frauenmarsch mit, oder würde einer grünen Feministin das Geschirr spülen, bis ihm dämmert, wie bescheuert er sich verirrt hat, kaputtmachen läßt, und wieder zur Vernunft zurückfindet, seine männlichen geistigen Kräfte wiederentdeckt und noch einmal zum Herkules wird.

Heute würde Griphyle ihren Gemahl wahrscheinlich scheiden, aus dem Haus werfen, statt in den Krieg zu schicken, um sich sein goldenes Halsband unter den Nagel zu reißen. Vielleicht würde ihr Gatte, der nunmehr unterhaltspflichtig sklavend ihr Nichtstun finanziert, nicht einmal seine Kinder sehen dürfen und deprimiert Selbstmord begehen.

Der Jüngling Bellerophontos wird heute ständig verleumdet, von hysterischen Feministinnen der ‚Vergewaltigung’ bezichtet wie Julian Assange, nachdem sie vorher zwei Wochen lang begeistert twitterten, was für ein toller, cooler Mann er sei und wie es sie freue, mit ihm zusammen zu sein. Das Verleumden heimischer Jünglinge hat Methode; am US-Campus herrscht eine Hexerjagd gegen eingebildete ‚Vergewaltigungen’, die darin bestehen, daß eine Frau nachträglich mit ihrem Liebhaber unzufrieden wird, oder beide ein Glas Alkohol getrunken haben, wodurch ihr Einverständnis ungültig wird, nicht aber seines. Frauen haben im Zweifelsfalle keine Verantwortung für ihr Handeln, der Mann aber für das Handel der Frau. Ein betrunkener Mann ist für sich und für die Frau verantwortlich; eine Frau weder nüchtern noch betrunken für irgendetwas. Das ist moderner Feminismus und noch wesentlich krasser als die Schilderungen der alten Griechen, die von unsrer Gegenwart sogar übertroffen werden.

An Bellerophontos sehen wir auch sehr deutlich, wie einseitig die Wahl in der Liebe ist: Frauen weisen reihenweise männliche Bewerber ab, aber sollte ein Jüngling das tun (so er zu der glücklichen Minderheit der von Frauen Selektierten gehört und es sich leisten kann), dann ist die Frau schnell beleidigt. Denn daß ein Mann wählt, finden Frauen leicht empörend. Sie wollen – wie heutige Feministinnen – die Wahl für sich alleine. Ihr Gerede von ‚Gleichberechtigung’ verbirgt das Gegenteil: Feminismus hat immer, zu allen Zeiten, in allen Wellen, die Wahl für sich, aber nicht für den Mann gewollt. Feminismus war immer gegen Gleichheit, hat diese nur listig als Argument mißbraucht, um unterschwellig ganz andere Antriebe zu befriedigen und Ziele anzusteuern – und um dem Mann alles Männliche zu neiden und wegzunehmen. Hinterher verachteten dieselben Frauen dann Männer, denen die weggenommene Männlichkeit fehlte. Also warfen sie sich lieber Invasoren um den Hals, deren Flut die kaputt-entmannzipierten einheimischen Männer verdrängt.

Die „Allgewalt des Weibes” ist eine poetische, aber noch heute vertretbare Beschreibung evolutionärer Tatsachen. Ihre verderbliche Auswirkung beweisen meine Bücher.

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