Wie nur vermeintliche Feminismuskritik das Zerstörungswerk des Feminismus vollendet

Wäre ich ein Zyniker, würde ich genüßlich zuschauen, wie der Islamismus den Feminismus abwickelt, dessen Anhänger ihn mit dem Erzwingen offener Grenzen ins Land geholt und willkommen heißend geklatscht haben. Verantwortliche Männer müssen beide Ideologien überwinden.

Man könnte denken, Feminismus habe nach vielen krassen Fehlern nun endlich damit begonnen, sich selbst aufzulösen. Leider ist es nicht so einfach. Misandrie und Geschlechterverwirrung sind älter als der Feminismus, begannen mit der vermeintlich „vernünftigeren” Neueinrichtung der Welt durch Humanismus und vor allem Aufklärung, eventuell schon mit der Christianisierung „gefährlicher wilder barbarischer Männer”. (In Büchern zitiere ich Belege, die älter als die hier genannten sind.)

«Um 1800 kommt als eigentliche historische Neuerung vielmehr ein Diskurs auf, der Männer als naturhaft unmoralisch, gewalttätig, egoistisch, asozial, hypersexuell, gefühlskalt, kommunikationsunfähig und verantwortungslos charakterisiert. Die Vorwürfe beginnen etwa um 1765. Im Jahre 1779 weiß der schottische Aufklärer William Alexander bereits: „Der Mann ohne weibliche Begleitung ist ein gefährliches Tier der Gesellschaft.”

Kurz darauf sieht der deutsche Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt in naturaler Männlichkeit nichts als „Härte und Gewaltthätigkeit”, nur „Einseitigkeit” und „Mangel”, was ihn zur Schlussfolgerung verleitet: daß „sich der Mann von seinem Geschlecht lossagen und sich dem Weiblichen nähern müsse, um wahrer Mensch zu werden”. Die SPD hat von ihm gelernt.

Andere bürgerliche Denker, die heute keiner mehr kennt, finden in Männern nichts als „Egoismus der gröbsten Art, instinktmäßigen Eigennutz” und eine „grausame und gleichgültige Natur”. Kein Wunder, dass von diesem bloßen „Stück kalter Vernunft” nur das Übelste zu erwarten ist: „die Gefühllosigkeit der Männer vernichtet die Menschlichkeit”. …

So autistisch sind Männer in sich verpuppt, so sehr dem primitivsten Egoismus verhaftet – philosophisch feinsinnig formuliert: der Verabsolutierung ihrer Subjektivität –, daß Fichte sie als Prototyp des „absoluten Bösen” brandmarkt. In der säkularen Moderne ersetzt der Mann den Teufel als Eichmaß des Abscheulichen. …

Aber im Zentrum des Geschlechterverhältnisses steht nicht der überlegene Mann. Sondern der unmoralische.»1 (Kucklick, Zeit 2012)

Nicht nur Misandrie ist tragendes Element westlicher Zivilisation geworden, sondern auch feministisches und genderfeministisches Denken, dem auch Kucklick anhängt, der auf die lange Geschichte von Misandrie hingewiesen hat. In Kucklicks Weltbild sind Geschlechter genauso eine Zuschreibung wie im Genderfeminismus. „Männerforschung” wird, wie ich in Büchern gezeigt habe, als feministisches Fach aufgeführt, das fest auf den Grundlagen jener Ideologie ruht.

«Da­mit ver­steht sich der Text als ei­ne kul­tur­wis­sen­schaft­li­che Gen­der Stu­die im be­sten Sin­ne des Wor­tes: als Teil ei­ner „Ver­un­si­che­rungs­wis­sen­schaft”, die ver­sucht, ver­meint­lich Selbst­ver­ständ­li­ches sei­ner Selbst­ver­ständ­lich­keit zu be­rau­ben. Sie ist nur denk­bar auf der Grund­la­ge von meh­re­ren Jahr­zehn­ten der Frau­en- und Gen­der­for­schung und be­trach­tet sich selbst als ei­ne Fort­füh­rung die­ser Tra­di­ti­on.

Im Zu­ge der Gen­der Stu­dies sind al­le As­pek­te des Ge­schlecht­li­chen rest­los de­na­tu­ra­li­siert. .. Dies ist un­hin­ter­geh­bar.» (Chri­stoph Kuck­lick, Das un­mo­ra­li­sche Ge­schlecht, S. 33)

Fe­mi­ni­sti­sche Ide­o­lo­gie wird of­fen zur Grund­la­ge von Män­ner­for­schung, in­klu­si­ve des Bu­ches von Kuck­lick er­klärt.

Einige trotzdem kluge Vertreter wie Kucklick mögen interessante Einzelheiten bekannt machen. Das ändert jedoch nichts daran, daß sie die Ideologie des Genderismus noch weitertreiben, indem sie „al­le As­pek­te des Ge­schlecht­li­chen rest­los de­na­tu­ra­li­sieren”, dabei nunmehr Anliegen von Männern mit einbeziehen.

Alle bisherigen Vertreter erliegen einem folgenreichen abendländischen Irrtum, den ich in „Die beiden Geschlechter” aufgezeigt habe, treiben ihn noch weiter auf die Spitze: Die falsche Annahme, Geschlechterdualismus und Ergänzung seien willkürlich, nutzlose Zuschreibung und schadlos, ja vermeintlich gar gewinnbringend zu überwinden. Damit wird das Wesen menschlicher Kultur und Gesellschaft verkannt, menschliche Natur ebenso. Ich habe nachgewiesen, daß es sich um eine epochen- und kulturübergreifende menschliche Universalie handelt, die für das Zusammenleben wichtig ist.

Die Natur des Menschen wird „denaturalisiert”, und das „unhintergehbar”. Der Begriff „unhintergehbar” ist eine ideologische Abschottung, entspricht der Wertung von „sozialistischen Errungenschaften” im einstigen DDR-Regime als „unantastbar”.

«Wann immer Wissenschaftler ausgezogen sind, grundlegende Differenzen zwischen den Geschlechtern zu finden, sind sie mit leeren Händen wiedergekehrt. … die federleichte soziale Erzeugbarkeit von Geschlecht. … Geschlechterverhalten entsteht nicht durch Hormone, es entsteht durch Worte.»2 (Kucklick, Zeit 2012)

Das ist nachweislich eindeutig falsch. Evolutionsbiologie hat sehr tiefgreifende, stabile und zentrale Unterschiede nachweisen können. Kucklick bewegt sich fest innerhalb des genderfeministischen Weltbildes.

Grundlegend verschiedene Lebenseinstellung ist angeboren, geht auf gegensätzliche Lage und Aufgabe bei der Fortpflanzung zurück. Männliches Verhalten hängt fast immer mit Anforderungen der sexuellen Selektion zusammen, die das Leben auch dann prägen, wenn diese scheinbar gerade nicht stattfindet. Weibliches Verhalten hängt mit weiblicher Fortpflanzungsstrategie zusammen, in allen Lebensphasen. Nicht nur Hormone prägen grundlegende Unterschiede; dabei ist es gleichgültig, wie diese genau entstehen, ob durch Hormone oder auf anderem Wege: Ihre Existenz und ihr Sinn sind sowohl evolutionär als auch in universeller, kulturübergreifender Beobachtung nachweisbar.

Was Kucklick schreibt, ist radikaler Genderismus: nicht ein bißchen feministisch und genderistisch, sondern Genderismus in radikalster Form; er könnte als Radikalisierer des Genderismus bezeichnet werden. Das ist keine vernachlässigbare Verirrung, sondern eine große Gefahr: Er versucht, einen „Männeraktivismus” aufzubauen, der noch feministischer wäre als bisheriger Feminismus.

«So ließe sich das große Werk des Feminismus vollenden.»3 (Kucklick, 2012 in der Zeit)

Daher ist es ein Unglück, daß nur von Feminismus und Genderideologie geprägte Vertreter bekannt wurden und debattiert werden, was bis in die Kreise der wenigen „Männeraktivisten” der Fall ist. Der wirklich den Käfig der feministischen Ideologie verlassende Ansatz wurde und wird seit Jahrzehnten ignoriert, obwohl er geistig der legitime Erbe einstiger objektiver Wissenschaft wäre. Kucklick und derzeitige ‚Männerforschung’ sind dagegen Erben feministischer Ideologie, die von – widerlegten – falschen Annahmen ausgehen.

Fußnoten

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