Der Fall Böhmermann

Die überzogene Aufmerksamkeit für ein schlechtes Schmähgedicht ist paradox wie vielsagend auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

1. Das bevorzugte und das verunglimpfte Geschlecht

Als Pussy Riot unflätig und geschmacklos über Putin herzog, übten feministische Regierungen und Gesellschaften des „Westens” Druck aus, obszöne Schmähungen seien als „freie Meinungsäußerung” oder „Kunstwerk” zu schützen. Denn Pussy Riot ist weiblich und feministisch, der Geschmähte „nur ein Mann”.

Böhmermanns Schmähung richtet sich von Mann zu Mann. Vorhersagbar waren die Meinungen deshalb geteilt: Manche begeistert, manche empört, viele im Zweifelsfall eher für freie Rede, auch wenn sie geschmacklos und unhaltbar ist.

Einem Mann darf erniedrigender Unsinn vorgehalten werden, besonders wenn es von Frauen geschieht und feministisch ist. Mann gegen Mann neutralisiert ein wenig. Zwar ist der Mann bei weitem nicht so schützenswert wie eine Frau, doch immerhin kann innerhalb des gleichen Geschlechts der Ruf nach „Menschenwürde” erhoben und sinnlose Erniedrigung auch gescholten werden.

Undenkbar ist der Fall, in dem ein Mann eine Frau mit völlig sinnfreien obszönen Beleidigungen gleicher Primitivität schmäht, wie es Böhmermann in seiner Schmähung Erdogans getan hat. Dann wäre  die Teuflin los, feministische Hysterie am Überkochen.

2. unterschwellig grassierende Männerfeindlichkeit

Gegen einen Mann wird die Misandrie nicht einmal bemerkt.

Wer sich den primitiven Schmähungen wie „Ziegenficker” aussetzt, die in schlechtem Versmaß mit ebenso wertlosen Reimen beschämend primitiv zusammengeflickt wurden, kann feststellen, daß jede Zeile und jede Schmähung ein männerfeindliches Klischee ist, eines von vielen, die unsere Gesellschaft verseuchen, die im Zuge der viralen Verbreitung feministischer Ideologie sich in allen Schichten unseres geistigen Gewebes und Bewußtseins festgesetzt haben. Nur eine kranke Gesellschaft kann so viele misandrische Tiefschläge, die gegen Männlichkeit zielen, in so wenig Sätzen unterbringen.

3. Totaler Absturz im Niveau der Medien

Ohne Erdogan als Politiker zu bewerten, und auch ohne die Weise zu beurteilen, mit der Politiker möglicherweise versuchen, Kritik mundtot zu machen, was undemokratisch ist – hier handelte es sich in keinster Weise um Kritik, sondern um eine bodenlos obszöne Schmähung, die viel darüber aussagt, wie tief unsere Medien gesunken sind. Obszöne Dummheit erhält prominenten Sendeplatz, wogegen seriöse, sachliche Feminismuskritik, die nicht auf Menschen zielt, sondern aufklärt, Liebe, Familie und Kultur verteidigt, seit mehreren Generationen so total verschwiegen wird, daß die Öffentlichkeit noch heute nicht einmal davon weiß, daß ihr etwas verschwiegen wurde.

Sogar meine Zensurbeweise werden seit einer Generation zensiert.1 Zensur gegen nicht etablierte Feminismuskritik ist so massiv, daß sogar das alternative Medium COMPACT in seinem Sonderheft über zensierte Autoren nur ehemalige Etablierte erwähnt, aber die seit Jahrzehnten zensierten Werke, Autoren, und die ebenfalls seit Jahrzehnten vorhandene Dokumentation feministischer Zensur abermals verschweigt, womit sich faktisch die Zensur bis in Zensurberichte ‚alternativer Medien’ verlängert! Ausgerechnet der jahrzehntelange Aktivist gegen Zensur wurde übergangen. Sogar ‚Berichte über Zensur’ sind damit Selbstbespiegelung eines alternativen Medienestablishments geworden, das selbst zensiert.

4. Bühne für Pseudokritik, die Gesinnungszensur verbirgt

Eilig meldeten Medien die Reaktionen Erdogans, politischen Druck aus der Türkei, wobei vielfach auf „demokratische und freie Medien” verwiesen wurden, die nicht vor zensorischem Druck einknicken dürften.

Man feierte das Funktionieren freier Medien und präsentierte sich als Kämpfer gegen Zensur. Das ist bemerkenswert. Denn die Medien stehen wegen lautstarken Vorwürfen, massiv zu zensieren und zu verdrehen, unter starkem Druck. Unlängst war der auf Demonstrationen vielfach gehörte Ruf „Lügenpresse”, der regelmäßig von Demonstranten skandiert wurde, zum „Unwort” des Jahres gekürt worden, wohl in der Meinung, die in dem Begriff ausgedrückte Kritik damit als „inseriös” abtun zu können.

Damit etwas zensiert werden kann, muß es eine Aussage haben. Herrn Böhmermanns Schmähgedicht enthält allerdings keine einzige Aussage, sondern nur Beleidigungen, von denen keine einzige ernsthaft behauptet werden könnte. Damit handelt es sich um einen vollkommen inhaltslosen Wortsalat. Was keinerlei Inhalt besitzt, kann auch nicht zensiert werden. Denn eine Entfernung läßt keine einzige Aussage, kein Argument, kein Faktum, nicht einmal eine Behauptung verschwinden.

Wir stellen also fest, daß hier Spiegelfechterei vorliegt: Medien feiern sich selbst als Helden im Kampf gegen Zensur, indem sie unsere Aufmerksamkeit auf eine völlig inhaltlose, nicht berichtenswerte Anhäufung obszöner Beleidigungen lenkt. Aus einem Nichts wird ein Medienereignis gemacht. Damit lenken sie von zahlreichen Themen ab, über die dringend zu berichten wäre, die aber seit Jahrzehnten, ja sogar einigen Generationen vollkommen totgeschwiegen werden. Sie lenken damit von massiver Zensur durch absolutes Totschweigen ab, wohl in der Hoffnung, daß betrogene und belogene Generationen nachwachsen, die niemals erfahren werden, daß es totgeschwiegene Themen gibt.

Sie lenken auch davon ab, daß sie massiven Gesinnungsterror durch Verdrehen betreiben, indem alle Feminismuskritiker auf persönlicher Ebene kaltgestellt werden, indem jeder abtrünnige Gedanke in die „rechte Ecke” gestellt, oder als „Verschwörungstheorie”, oder als „zurückgeblieben” oder gar „frauenfeindlich” verunglimpft wird.

Der Begriff „Lügenpresse” mag unglücklich gewählt sein, doch übertrieben ist er nicht. Im Gegenteil. Es ist sogar schlimmer. Denn die Medien lügen nicht einfach nur, was leichter erkennbar und durchschaubar wäre. Sie manipulieren uns, indem sie aus nichts Themen machen, die wir nach Jahren der Indoktrination für den Nabel der Welt halten. So wurden uns feministische Erfindungen, an denen nichts dran ist, als Dauerthema vorgegeben und einmanipuliert.

Tatsächlich zentrale Themen des Lebens wurden uns dagegen so systematisch durch Verschweigen und Verächtlichmachen ausgetrieben, daß wir gar nicht mehr merken, wie enorm wir durch Verschweigen betrogen und belogen werden.

Jegliches nichtfeministisches Denken, alles ideologiefreie Leben, wurde ausgeblendet, nicht nur in Nachrichten, Berichterstattung, Debatten, sondern auch in Unterhaltung, Filmen, Romanen, Büchern und sämtlichen offiziellen Medien. Das Ausmaß der Manipulation von Menschen, indem sie mit tendenziöser Unterhaltung gefüttert werden, die bereits in der Auswahl der Themen feministisch ist, übertrifft alle früheren Diktaturen, die es je gegeben hat, ist radikaler indoktrinierend als in DDR oder dem faschistischen Staat.

Die Zensur noch der Zensurdokumentation und des Aktivisten gegen Zensur ist nur eine kleine Fußnote dieses umfassenden Prozesses, mit dem Medien verdrehen und zensieren.

Da kommt die „Causa Böhmermann” gerade recht, damit Zensoren sich wegen einer läppischen Obszönität als „Kämpfer gegen Zensur” inszenieren können.

5. Rückgratlosigkeit der Politik

Skurril ist zunächst, daß ein Gesetz angewendet wird, dessen Abschaffung gleichzeitig beauftragt wurde.

«Fall Böhmermann: Dieser Paragraph soll jetzt abgeschafft werden
Von Vanessa Steinmetz
Gegen Jan Böhmermann darf nach Paragraf 103 StGB ermittelt werden – auch wenn die Regierung die Vorschrift abschaffen will. Was das Gesetz besagt und wie es in der Vergangenheit angewandt wurde: der Überblick.» (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jan-boehmermann-das-besagt-der-paragraf-103-a-1087478.html)

Paragraph 103

Noch absurder freilich ist, daß es im Gesetzestext ausdrücklich heißt „Wer ein ausländisches Staatsoberhaupt, oder wer mit Beziehung auf ihre Stellung ein Mitglied einer ausländischen Regierung, das sich in amtlicher Eigenschaft im Inland aufhält, …”

Damit wird der Fall Erdogans, der sich offenbar während des Vorfalls in der Türkei aufhielt, ausdrücklich ausgeschlossen. Wenn es Juristen gelingen (oder gelungen sein) sollte, diese klare Regelung so zu verdrehen, daß eine Verfolgung möglich wird, werden Zweifel am Rechtssystem geweckt.

«Im Kanzleramt wurde unter anderem mit Präzedenzfällen wie dem der ehemaligen Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey argumentiert. Sie war von einem in Deutschland lebenden Schweizer im Internet beleidigt worden und berief sich ebenfalls auf den Paragraf 103 StGB. Gegen den Mann wurde auf Grundlage dessen 2007 ein Strafbefehl erlassen, was einem Urteil gleichkommt, teilte die Staatsanwaltschaft Regensburg auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Er musste demnach 50 Tagessätze zu je zehn Euro zahlen. Einspruch legte der Mann nicht ein.» (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jan-boehmermann-das-besagt-der-paragraf-103-a-1087478.html)

Ein im rechtmäßigen Verfahren offenbar vorgesehener Bericht wurde nicht abgewartet, womit abermals ein rechtsstaatliches Verfahren gebrochen wurde, aus Ungeduld, Druck aus dem Ausland zu willfahren.

«17.04.2016 16:22 Uhr
Merkel traf Entscheidung ohne vorgesehenen Bericht der Staatsanwälte
Vor dem Beschluß im Fall Böhmermann hätte ein Bericht der Staatsanwälte vorliegen sollen. Angela Merkel wollte darauf offenbar nicht warten.
von Jost Müller-Neuhof» (http://www.tagesspiegel.de/politik/streit-um-satiriker-boehmermann-merkel-traf-entscheidung-ohne-vorgesehenen-bericht-der-staatsanwaelte/13459332.html)

Das Kanzleramt hat sich durch einen weiteren dubiosen Akt abermals ins Zwielicht gesetzt, sogar Erstaunen innerhalb der regierungstragenden Parteien ausgelöst. Denn eine Entscheidung, bei der Koalitionspartner nicht übergangen werden sollten, fiel gegen das Votum der Koalitionspartner, sogar gegen Stimmen der eigenen Partei.

Viele werten es als rückgratlosen Kotau vor einer fremden Regierung, die gerade in der durch andere krasse Fehler erst richtig angeheizten Flüchtlingskrise gebraucht wird, um die eigene Bevölkerung kurz vor den Neuwahlen zu beruhigen. Nach einer Wiederwahl würde die jetzige wie frühere Regierungen dann tun, was sie will, den Willen der Wähler wie üblich in die Tonne treten.

Dabei ist dieser rückgratslose Kotau winzig im Vergleich zu anderen, mit denen seit ungefähr 1968 wesentlich größere und irreparable Schäden angerichtet wurden. Doch das zu vertiefen würde zu weit führen und wäre zu politisch inkorrekt. In unserem Zusammenhang interessieren vor allem schlechte Gesetzesänderungen, die unsere Republik über das Familienrecht in einen „Faustrechtsstaat” verwandelten (siehe: „Beziehungsentzug” Band 3 der Serie „Weibliche Wahlmacht”), sowie fatale Gesetzes- und Grundgesetzänderungen, die Ideologie verbindlich vorschrieben.

Fußnote

1siehe Bücher wie „Die Unterdrückung der Männer”, „Die Genderung der Welt”, „Feminismuskritik” oder „Zensiert: Flaschenpost in die Zukunft

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